Textgebundene Erörterung: Fitness-Tracker

Im folgenden findet ihr eine textgebundene Erörterung zum Themenkomplex Selbstoptimierung. Es geht hierbei um Fitness-Tracker und die Folgen ebendieser bei einer weitflächigen Nutzung, welche anhand des folgenden Artikels erörtert werden.

Artikel: https://www.versicherungsbote.de/id/4800461/Fitness-Tracker—Private-Gesundheitsueberwachung-oder-BIG-Data-fuer-Versicherungen/

Der Artikel „Fitness Tracker – Private Gesundheitsüberwachung oder Big Data für Versicherungen“, erschienen im Jahr 2014 auf dem Online-Portal „versicherungsbote.de“, setzt sich mit der Frage auseinander, ob die Benutzer von Fitness-Trackern zu leichtsinnig ihre persönlichen Daten preisgeben und welche Folgen dieses Verhalten für den Einzelnen sowie die Wirtschaft hat.

Anfangs stellt der unbekannte Autor eine Momentaufnahme der aktuellen Fitness-Tracker-Marktsituation dar und behauptet, dass die im Zuge dessen gesammelten Daten über die gesundheitliche Verfassung des Nutzers auch für Unternehmen sehr interessant wären (vgl. Z. 4f.). Anschließend nennt er einige Funktionen ebendieser Aufzeichnungsgeräte und erläutert den Dienst „HealthKit“ von Apple, welcher „ […] de[n] Datenaustausch zwischen verschiedenen Geräten unterschiedliche Hersteller ermöglicht […] und auf einer zentralen Datenplattform zusammenführt […], Z. 12ff. Im folgenden geht der Autor näher auf die Firma Google ein, welche kürzlich die Handelsgesellschaft „Nest“ gekauft hat, mit der „ […] die Kunden ihre Daten ins Internet senden [können]“, Z. 19. Durch dieses Nutzerverhalten könne Google durch das Auswerten von Temperatur- und Heizdaten die Vermögensverhältnisse des Kunden einschätzen (vgl. Z. 19ff). Der Autor sieht jedoch die Weitergabe von Gesundheitsdaten wesentlich kritischer, auch wenn der Datenschutz hier verbiete, dass „ […] [die] großen Anbieter diese Gesundheitsdaten zusammen mit den Adressen der Kunden weitergeben […], Z. 24f.). So behauptet der Autor anschließend, dass durch Fitness-Tracker und die damit einhergehenden großen Datenmengen „Google und Co zukünftig viel einfacher Rückschlüsse auf die Gesundheit von bestimmten Kundengruppen ziehen [könne].“, Z. 27ff. Es sei auch heutzutage gang und gäbe von Google, Kundendaten an Versicherungsgesellschaften weiterzuveräußern, welche diese dann wiederum für ihre Produktkalkulationen benutzen würden (vgl.  27ff.). Der Autor bezieht sich im Folgenden weiterhin auf den Konzern Google, der Kunden anhand ihres Kaufverhaltens bezüglich ihres Gesundheitszustandes einschätzen könne und führt das Beispiel an, dass „ […] Google [..] [erkenne], dass Kunden, die sich einen Fitness-Tracker kaufen, gesünder [seien] […]“, Z 32. Heutzutage sei es nämlich durch komplexe statistische Auswertungen möglich, Zusammenhänge zwischen Daten herzustellen, welche auf den ersten Blick zusammenhangslos erscheinen würden (vgl. Z.36). Momentan finde aber von Seiten der Hersteller noch kein Datenaustausch mit Versicherungsunternehmen statt, um Vertrauen zum Kunden aufzubauen (vgl. Z. 40f.). Abschliessend stellt der Autor fest, dass dieses Versprechen seitens der Hersteller jedoch „ […] keine Garantie dafür [sei], dass diese Daten dennoch statistisch ausgewertet und verwendet werden [würden] – dafür [seien] sie zu kostbar und die Versuchung zu groß.“, Z.43f.

Nachfolgend werde ich nun die Argumentationsstruktur und die verwendeten sprachlichen Mittel erläutern. Auffallend ist, dass der Autor oftmals nur Hypothesen aufstellt, ohne diese ausreichend mit Fakten zu belegen. So zieht er lediglich ein einziges Mal im gesamten Text ein Beispiel zur Untermauerung seiner These heran, dass Google aufgrund von im Internet gespeicherten Daten Rückschlüsse auf die finanzielle Situation der Kunden ziehen könne („So kann Google zum Beispiel zukünftig an Hand der Heizdaten auswerten, wann die Kunden zu Hause sind […], Z. 19f.) Zusammenfassen betrachtet spricht er den gesamten Text darüber, welche Möglichkeiten Google habe, führt hierfür jedoch keinerlei wissenschaftliche Belege oder Zitate von Sachverständigen zur Urteilsbildung an sondern verallgemeinert oftmals Standpunkte. Er verwendet einen relativ einfach Sprachstil und verzichtet größtenteils auf komplizierte Fachbegriffe, sodass der Text leicht verständlich ist. Der Autor benutzt mehrmals im Text den Begriff „Big Data“ (Z. 1, 29), ohne diesen erklärt zu haben und setzt somit Vorwissen zum Themenbereich des Datenschutzes beim Leser voraus aber zeigt damit auch eine gewisse Fachkenntnis seinerseits in diesem Bereich. Auffallend ist auch der verwendete Dysphemismus („Datenkrake“, Z.16) mit dem der Verfasser versucht, negative Assoziationen zum Konzern Google beim Leser hervorzurufen und ihn somit von seiner persönlichen Sichtweise zu überzeugen. Mit der Antithese „Scheint das hier noch harmlos, so ist die Verwertung von Gesundheitsdaten doch wesentlich heikler“, Z. 22f., untermauert er seinen Standpunkt und wirkt somit für den Leser überzeugender. Er macht sich außerdem das sprachliche Mittel der rhetorischen Frage zu Nutze, mit der er sich seine eigene Aussage bestätigen lässt um diese zu verdeutlichen („Aber wie ist es, wenn man an Hand der Vorliebe für eine Musikgruppe oder die Marke eines Modelabels Rückschlüsse auf den zukünftigen Gesundheitszustand ziehen kann?“, Z. 33f.). Gegen Ende seines Textes umschreibt er die Fitness-Tracker beschönigend mit dem Ausdruck „schönen neuen Gesundheits-Spielzeuge“, und benutzt somit einen Euphemismus, welcher im Kontext des Satzes die eigentlich beschönigende Wirkung des Begriffs in eine negativ behaftete wandelt. Abschliessend bildet der Autor mit dem Leser gemeinsam eine sogenannte Wir-Gruppe, wodurch er ein Gemeinschaftsgefühl beim Leser erzeugt und diesem seine eigene Meinung glaubwürdiger erscheinen lässt („Wenn uns eines Tages die Versicherungsgesellschaft nach unserem Lieblingsmusiker fragt, sollten wir jedoch vorsichtig werden“, Z.46f.).

Nachdem nun die verwendeten sprachlichen Mittel erörtert wurden, soll als Nächstes drauf eingegangen werden, inwieweit die angeführten Thesen des Autos haltbar und korrekt sind. Es stellt sich die Frage, ob sich eine Gesundheitsüberwachung für den Kunden bzw. den Bürger lohnen würde oder ob die Einschränkungen, die man dadurch in Kauf nehmen müsste, zu gravierend wären. Zur Beweisführung werde ich nachfolgend den Roman „Corpus Delicti“ von Juli Zeh verwenden, der von einer Gesundheitsdiktatur in naher Zukunft handelt, in der eine Totalüberwachung der Bürger existiert.

Ich stimme mit den Grundansichten des Autors durchaus überein, jedoch sollte man die Vorteile einer Gesundheitsüberwachung nicht komplett außer Acht lassen. So sollte man bedenken, dass Fitness-Tracker Menschen zu einem gesünderen und aktiverem Lebensstil verhelfen können, da diese einen optimierten Trainingsplan zur Verfügung stellen können und tagsüber an Aktivitäten erinnern. So haben neue Fitness-Tracker beispielsweise die sogenannte Inaktivitätsfunktion, welche den Nutzer nach einer vorher eingestellten Zeit der Bewegungslosigkeit durch einen Vibrationsalarm daran erinnert, sich einige Schritte zu bewegen. Das Gerät hilft dem Nutzer also dabei, die täglich empfohlene Schrittanzahl zu erreichen und somit einen gesünderen Lebensstil, vor allem bei Berufstätigen mit vorwiegend sitzender Tätigkeit, zu verfolgen. Außerdem sollte man  auch bedenken, dass moderne Geräte mittels Bioimpedanz-Sensoren sämtliche Parameter, die auch für Ärzte in Krankheitsfällen von Bedeutung sind, über den kompletten Tag verteilt archiviert werden können. Patienten mit Bluthochdruck könnten durch ein solches Gerät z.B. leicht ihre Herzfrequenz verfolgen und bei Erreichen bestimmter Extremwerte umgehend gegensteuernde Maßnahmen einleiten. Eine Archivierung dieser Daten würde dem behandelnden Arzt helfen, Therapiefortschritte zu erkennen und gegebenenfalls Optimierungen vorzunehmen. Natürlich ist den Sensoren hier keine Grenzen gesetzt, sodass diese auch zur Schlafüberwachung bei Schlafstörungen, bei Fiebermessungen von Kindern oder der Messung der Sauerstoffsättigung des Blutes genutzt werden können. Es bleibt also festzustellen, dass vor allem chronisch Kranke von solchen Angeboten wirklich profitieren und letztendlich ein besseres Leben auch mit Krankheit führen können.

Meiner Meinung nach aber steht der Nutzen einer elektronischen Gesundheitsüberwachung, der zweifelsohne existiert, in keinem Verhältnis zu den Einschränkungen eines jeden Menschen in Bezug auf sein Selbstbestimmungsrecht. Zuerst sollte ergänzend bedacht werden, dass vor allem Versicherungen mit persönlichen Gesundheitsdaten ihrer Versicherten viel Macht erlangen würden, da man hierdurch ein Zwei-Klassen-System, welches zwischen offenbar gesund und ungesund lebenden Menschen unterscheidet, etablieren kann. So könnte die Versicherung für Leute, welche zu wenig Sport treiben oder rauchen, den Versicherungsbeitrag erhöhen und diese, ungeachtet der Umstände die sie dazu führten, gegenüber den anderen Versicherten benachteiligen. In Juli Zehs Roman wird dieses System noch etwas weiter geführt: In dem fiktiven Staat gibt es sogenannte Wächterhäuser, in denen besonders systemtreue Bürger mit dem Ziel der gegenseitigen Überwachung wohnen. Sie erhalten hierfür eine vergünstigte Grundversorgung mit Wasser und Strom, doch die Nachteile zeigen sich erst, wenn man sich in der misslichen Lage wie die Protagonistin Mia Holl befindet. Nachdem ihr Bruder stirbt, verfällt diese in eine depressive Phase in der sie ihre körperlichen Aktivitäten vernachlässigt, Alkohol trinkt und in ihrer Wohnung raucht. Dies wird von den Mitbewohnern natürlich umgehend bemerkt und an die Behörden gemeldet, was im Laufe der Geschichte dann zu einer Gerichtsverhandlung und letztendlich zur einer Verurteilung aufgrund der Vernachlässigung von Gesundheitspflichten führt. Das menschliche Individuum, das verschiedene Phasen durchlebt wird also kaum beachtet, sondern lediglich die Gesundheit zählt um jeden Preis. Weiterhin sollte der mögliche Missbrauch von Gesundheitsdaten erwähnt werden, der durch die Übertragung über ein unsicheres Netz, also meist das Internet, entsteht. Nahezu jeder zurzeit erhältliche Fitness-Tracker nutzt die Verbindung über das Smartphone, um die Daten zentral auf den Servern der Hersteller zu speichern. All dies geschieht aus Kosten- und Performancegründen unverschlüsselt, wodurch es ein leichtes für Kriminelle jeglicher Art ist, diese Daten abzufangen. Es würde beispielsweise eine relativ einfach umzusetzende sogenannte „Man-in-the-Middle-Attacke“ ausreichen, um über das Internet übertragene Daten abzufangen. Hierbei wird einem Quellrechner, beispielsweise das Smartphone, welches die Daten des Fitness-Trackers gerade an den Server überträgt, vorgetäuscht, das Ziel der Adressierung zu sein, wodurch der Datenverkehr umgeleitet wird und in die Hände des Kriminellen führt. Ebendiesen steht dann die Verwendung der Daten völlig offen und noch dazu handelt diese in völliger Anonymität, da hierzu keine physikalische Anwesenheit nötig ist. Man ist den Krimniellen in dieser Situation also schutzlos ausgesetzt, da selbst faktisch keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden können, wenn man auf die Benutzung der Herstellerserver angewiesen ist. Vor allem aber wird der Nutzer  durch diese Art der Überwachung zu einem gläsernen Bürger, da jeder Schritt und jede Tätigkeit aufgezeichnet und ausgewertet werden kann. Aufgrund der Menge und Genauigkeit der Daten kann durch statistische Methoden ein sehr genaues Bild des Einzelnen gezeichnet werden und somit Prognosen über zukünftige Aktivitäten aufgestellt werden. Bewohnern der Methode, also der Staatsform des Staates im Roman „Corpus Delicti“, werden zu deren Geburt beispielsweise ein Chip in die Haut eingesetzt, welcher dann fortlaufend Urin-, Blut-, Sport- und Schlafwerte sammelt und an die Regierung weiterleitet, die diese dann auswertet und archiviert. Weiterhin gibt es dort in den Toiletten installierte Sensoren, welche feststellen können, ob Drogen genommen wurden oder im allgemeinen gegen die Vorschriften verstoßen wurde. Aufgrund dieser Überwachung und damit einhergehender Angst vor einer Bestrafung „ […] kotzt [Mia Holl] bei Nacht in eine Schüssel, die sie anschließend auf der Straße in einen Gully leerte, damit die Sensoren in der Toilette keine erhöhte Konzentration von Magensäure messen [können]“, S. 35). Es wird also deutlich, dass die Menschen sich aufgrund dieser Totalüberwachung nach den Vorgaben richten müssen, um einer Strafe zu entgehen, wodurch es keinerlei individuell bestimmbares Leben mehr geben kann.

Aus dem vorher gesagten wird deutlich, dass eine Gesundheitsüberwachung extreme Folgen für die Menschen hätte. So zeichnet der Roman von Juli Zeh, in der sich die komplette Gesellschaftsthematik nur noch um die Gesundheit als erstes und einziges Ziel dreht, ein eindringliches Bild, wohin die zunehmende Entwicklung in diesem Bereich führen kann. Natürlich profitieren die Menschen bis zu einem bestimmten Grad von der verbesserten Möglichkeit, Gesundheitswerte im Alltag überwachen zu können. Es muss allerdings hierbei unbedingt alles auf freiwilliger Basis geschehen, sodass niemand dem Zwang verfällt, sein Leben nach einem vorgegeben Gesundheitsziel zu richten. Durch die zunehmende Digitalisierung sehe ich diesen Überwachungstrend jedoch als unaufhaltbar an, da bereits heute durch Smartphones beängstigend genaue Nutzerprofile erstellt werden können. Das Thema Datenschutz ist durch die NSA-Spähaffäre um Schlüsselfigur Edward Snowden ein dauerhaftes Präsenzthema in den Medien geworden, sodass abzuwarten bleibt, wohin die seit Jahren dauernde Diskussion in Hinblick auf  eine immer tiefer vernetzte Welt führt.

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